Zu den Verdächtigen, die die Spermienfunktion und männliche Fruchtbarkeit stören, gehören neben Pestiziden an Obst und Gemüse auch viele Konservierungsstoffe, UV-Blocker und andere Alltagschemikalien.
Jedes sechste Ehepaar bleibt ungewollt kinderlos. In knapp der Hälfte der Fälle finden Reproduktionsmediziner die Ursache beim Mann. Immer öfter lässt die Qualität der Spermien zu wünschen übrig. Dies geht aus einer Studie der Universität Kopenhagen hervor, die damit weltweit für Aufsehen sorgte.
Die Studien gingen bis in das Jahr 1938 zurück und zeigten einen unerklärlichen Rückgang der Spermienkonzentration im Ejakulat. Von dieser Fertilitätskrise seien vor allem Männer aus Industriestaaten betroffen. Auf der Suche nach möglichen Ursachen ist der zun
ehmende Gebrauch von Umweltchemikalien,darunter Pestizide, in den Focus der Forscher geraten.
Diese These wird jetzt durch eine veröffentlichte Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston unterstützt. Ausgerechnet der als gesundheitsfördernd geltende hohe Verzehr von Obst und Gemüse lieferte dem Forschungsteam die entscheidenden Anhaltspunkte.

Die Wissenschaftler analysierten 338 Samenproben von 155 Männern, die sich wegen Fruchtbarkeitsstörungen an ein Kinderwunschzentrum gewendet hatten. Alle mussten detaillierte Fragebögen mit Angaben über ihre Ernährungsgewohnheiten ausfüllen. Dann setzten die Forscher die Angaben zum Verzehr von Obst und Gemüse mit den Pestizidrückständen in Verbindung, die das Pesticide Data Program des US-Landwirtschaftsministeriums für die jeweiligen Sorten ermittelt hat.

Es zeigte sich, dass das Viertel der Männer mit dem höchsten Verzehr von hochbelasteten Obst- und Gemüsesorten durchschnittlich 86 Millionen Spermien im Ejakulat hatte und damit knapp die Hälfte weniger als die am wenigsten belasteten Männer. Diese kamen im Durchschnitt auf 171 Millionen Spermien pro Ejakulat. Der Anteil normal geformter Spermien war bei der Gruppe von Männern, die größere Mengen von Pestiziden mit der Nahrung aufgenommen hatten, mit 5,1 Prozent signifikant kleiner als in der Vergleichsgruppe mit 7,5 Prozent.

Auch wenn es den Anschein hat, dass der Verzehr von reichlich Obst und Gemüse ein Risiko für die Spermienvitalität darstellt, sehen die Forscher keinen Grund, die Ernährung grundsätzlich umzustellen. Sie raten dem Verbraucher, informierter einzukaufen.

Hierbei hilft beispielsweise der aktuelle Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit(EFSA). Diese hat knapp 81 000 Lebensmittelproben aus allen EU-Staaten sowie aus Norwegen und Island ausgewertet. Davon stammten zwei Drittel aus europäischen Ländern, ein Drittel aus Drittländern. In gut der Hälfte der Fälle waren keine Pestizide in den Lebensmitteln nachweisbar. Allerdings wurden in Lebensmitteln aus Drittländern die Grenzwerte deutlich öfter überschritten als bei den Produkten aus Europa.

Für Männer, die gerne Vater werden möchten, gibt es aber auch Grund zur Hoffnung. Entgegen landläufiger Annahmen tut häufiger Sex der Spermienqualität keinen Abbruch, im Gegenteil. Wie Forscher der Klinik am Kinderwunschzentrum in Sydney, Australien, nachgewiesen haben, bringen tägliche Samenergüsse die Spermien sogar auf Trab.